Die Stimulation Tag 10 bis 12

Tag 1 bis 9 habe ich (bis auf die erste Nacht) relativ gut hinter mich gebracht. Mein persönliches Highlight der ersten Woche: Hormone am Klo eines Brunnenmarkt-Lokals spritzen. Selbst das hat wirklich gut funktioniert. Leider ging es nicht so „entspannt“ weiter.

Kinderwunsch ist keine Krankheit

An Tag 10 der Spritzen war der zweite Ultraschalltermin angesetzt. Ich wollte normal arbeiten gehen – Kinderwunsch ist ja keine Krankheit, haben mir die Ärzt*innen gesagt. Aber schon am Weg zur Arbeit (eine Radstrecke von maximal 15 Minuten) musste ich vom Rad absteigen weil alles auf der linken Seite so weh tat. Ich konnte mein Bein kaum zum Strampeln abwinkeln – da waren wahrscheinlich einfach zu viele Eizellen im Weg. Heulend stand ich auf der Straße und überlegte: Arbeit oder heim? Arbeit oder heim? Ich war nur schon auf der halben Strecke. Und mein Mann bei der Arbeit näher als Zuhause.

Rückblickend: die falsche Entscheidung. Im Nachhinein ist frau immer klüger. In der Arbeit angekommen spielte mein Kreislauf verrückt und es tat immer mehr weh. Ich musste statt mir eine Kollegin zu einem beruflichen Termin schicken – ich konnte mich unmöglich aufrecht in ein Meeting setzen. Mir war schwindlig und ich konnte nicht gerade sitzen. In Wellen hatte ich immer wieder Schmerzen. Eine Freundin, die schon eine Stimulation (inklusive Überstimulation) hinter sich hatte, leistete aus der Ferne Whatsapp-Trost und Beistand, mein Mann und meine Mutter am Telefon.

Ich war auf alles vorbereitet: gedrehte Eierstöcke, 20 geplatzte Eier…

Verzweifelt rief ich die Klinik an. Die waren wirklich hilfreich und verständnisvoll: ich sollte eine Schmerztablette nehmen. Wenn es eher in Wellen kam, konnte sich kein Eierstock gedreht haben, das würde durchgängig wirklich sehr wehtun. Mit der Tablette wurde es besser. Ich wollte zumindest bis zum Ultraschall mittags durchhalten. Das schaffte ich leider nicht ganz – ich setzte mich früher in ein Taxi, mit unglaublichen Schmerzen, die in den Rücken und auch den Oberschenkel ausstrahlten.

In der Klinik saß ich als Häufchen verheultes Elend. Niemand hat mich damals im Warteraum angesprochen – wahrscheinlich wollte lieber keine/r so genau wissen, was mein Elend war. Zu groß die Gefahr, selbst davon betroffen zu sein. In meinem Zustand war ich auch eindeutig keine gute Werbung für die Leistungen des Instituts. Wahrscheinlich hat auch mein Anblick geholfen, dass ich innerhalb von kürzester Zeit schon beim Arzt drinnen saß. Ich war beim Ultraschall auf alles vorbereitet: gedrehte Eierstöcke, 20 geplatzte Eier… alles was der Beipacktext und meine Fantasie so hergeben.

Gehen oder normal fortbewegen war einfach undenkbar

„Ich seh nichts, da ist alles in Ordnung.“ sprach der Arzt. „Haben Sie auch beim Eisprung normalerweise Schmerzen?“ Sicher hatte ich auch beim Eisprung Schmerzen. Aber nicht solche. Nicht Schmerzen, die trotz eines Ibumetins kaum aushaltbar waren. „Ich sehe, dass Sie offensichtlich starke Schmerzen haben, aber ich kann einfach nichts feststellen.“ Der Arzt war wirklich einfühlsam, aber hilfreich war diese Auskunft leider auch nicht wirklich. Wenn das normal sein sollte – ok, dann müsste ich jetzt einfach nur mehr liegen und mich bis zur Punktion nicht mehr bewegen. Weil gehen oder normal fortbewegen war so einfach undenkbar.

„Haben Sie genug getrunken? Haben Sie Schmerzen beim Wasserlassen?“ Was für eine Frage, mir tat sowieso grad alles weh. Ob es beim Wasserlassen speziell weh tat, konnte ich ihm wirklich nicht sagen. Vielleicht war es ja eine Blasenentzündung? Sofort schrieb der Arzt mir ein Rezept für ein Antibiotikum und ein Preiselbeer-Präparat. „Für mich sieht sonst alles gut aus. Ich gebe Ihnen einen Termin für die Punktion in drei Tagen. Wenn bis dahin Ihre Schmerzen nicht besser sind, müssen wir eben abbrechen.“

Abbrechen ist keine Option

Eben abbrechen? Das sagte sich so einfach. In mir waren mindestens zehn Eizellen und viel zu viel Hormone. Abbrechen war keine Option. Das hieße ja, die ganze Prozedur noch einmal mitmachen zu müssen. Ich gab mich mit der Blasenentzündungs-Diagnose (vorläufig) zufrieden. Es war sowieso Wochenende, ich würde mich ab jetzt einfach bis zum Tag der Punktion nicht mehr bewegen.

Vor der Tür der Klinik wartete meine Mutter mit dem Auto. „Blasenentzündung? Hat er das getestet?“ Hatte er nicht. Meine Mutter und ich kauften dann einen Test in der Apotheke. Und ich war noch bei meinem praktischen Arzt – auch der konnte keine Blasenentzündung oder andere Ursachen wie den Blinddarm feststellen. „Ich nehme an, das kommt von der Stimulation.“ Das Antibiotikum liegt noch immer in meinem Medizinschrank.

Einfach nicht mehr bewegen

Die Schmerzen wurden zwar im Laufe des Tages besser, aber ich habe mich den Rest des Tages und des Wochenendes einfach nicht mehr viel bewegt. Zu Fuß war mein Radius eigentlich auf die Distanz Wohnküche – Schlafzimmer beschränkt. Eine Familienfeier hab ich am Sonntag sogar noch hinter mich gebracht, ebenfalls ohne mich viel zu bewegen. Anstandshalber habe ich auch einen Schluck Sekt gemacht, damit ja niemand denken würde, ich sei schwanger.

Ich weiß bis heute nicht, was genau die Ursache war. Vielleicht war auch einfach mein (Hüft-?)Muskel durch die ständige Schonhaltung total beleidigt. Ich hab versucht, immer die Muskel in der Gegend zu massieren, dadurch wurde es schon besser.

Fazit von Tag 10 bis 12: Kinderwunsch ist zwar keine Krankheit, aber arbeiten ist leider während einer Stimulation selbst sitzend im Büro nur sehr eingeschränkt möglich.

5 Gedanken zu “Die Stimulation Tag 10 bis 12

  1. Oh Gott, das klingt wirklich alles sehr gruselig und mich wundert es wirklich, warum einen die Ärzte über solche Nebenwirkungen nicht aufklären!!! Es scheint wirklich so, als hätten die selbst keine Ahnung davon. Sollte es notwendig sein und solltest du dich irgendwann dazu entscheiden, das noch einmal zu machen, würd ich an deiner Stelle auf einer Krankschreibung bestehen (und vielleicht die Praxis wechseln…). Das ist ja niemandem zuzumuten.

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    1. Das Problem ist: was soll auf der Krankschreibung oben stehen? Du müsstest eben ein „anerkanntes Leiden“ haben – dazu zählt leider Stimulation für die IVF nicht! Aber gut, in Österreich könnte frau auch ohne Krankschreibung zwei Tage daheim bleiben…

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  2. Pingback: Was ich anders machen würde, könnte ich die Zeit zurückdrehen – Die Fruchtbar

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