Was ich anders machen würde, könnte ich die Zeit zurückdrehen

Oder: Tipps vor dem Start einer Kinderwunschbehandlung

Anfang 2019 waren wir das erste Mal bei SpezialistInnen, um herauszufinden, warum ich nicht schwanger wurde und was nicht stimmen könnte. Es war nach knapp einem Jahr „Geschlechtsverkehr nach Plan“ – zum Teil auch mit Eisprungtests. Ich würde für mich den Zeitpunkt genauso wieder wählen. Ich weiß, es kann manchmal auch auf natürlichem Wege länger dauern. Aber ich war 35 und wollte nicht wertvolle Zeit verlieren. Denn ich fühle mich ohnehin schon vergleichsweise alt für Kinderwunsch – in meiner Familie war meine Oma 18 und meine Mutter 23. Abgesehen von den medizinischen Statistiken, wann eine Frau angeblich am besten schwanger wird, sagt mir leider auch mein Körper, dass ich nicht mehr blutjung bin. Auch ohne Schwangerschaft sind meine Beine immer wieder schwer und wenn ich zwei alkoholische Getränke trinke bin ich nicht nur besoffen, sondern hab auch noch einen Kater wie früher nach zwei Tagen Party hintereinander. Für mich ist das ein wichtiger Indikator: Schlafentzug tut heute mehr weh als damals. Und wenn ich eines über Kinderkriegen weiß: Es bedeutet Schlafentzug. Den Zeitpunkt, Hilfe zu suchen, würde ich für mich selbst daher nicht anders wählen. Aber:

Was kann ich euch sonst raten?

  • Besucht mehr als ein Institut!

Wir haben damals nur eine Klinik besucht. Ich kannte mich am „Markt“ nicht aus, hatte kaum Tipps von Bekannten. Schaut euch vielleicht mehr als ein Kinderwunschinstitut an, wenn das geht. Heute würde ich zumindest zwei Termine wahrnehmen. Es ist so wichtig, sich wirklich wohl zu fühlen und gut beraten zu sein. Und so kriegt ihr auch einen Überblick über die Unterschiede. Durch Corona gibt es derzeit auch viele Angebote für Online-Informationsabende.

  • Gynäkologische Unterstützung hinzuziehen

Ich hatte leider damals keine/n gute/n Gynäkologen/Gynäkologin. Ich finde, sowas ist in Wien auch total schwierig. Mittlerweile habe ich einen Gynäkologen zusätzlich zum Kinderwunsch-Institut und für mich ist das wirklich sehr wichtig. Er ist auch auf Kinderwunsch spezialisiert. Seither fühle ich mich viel besser betreut und kann auch einfacher eine zweite Meinung einholen.

  • Geografische Nähe ist wichtig

Wenn nicht alles gut geht, müsst ihr das Institut eurer Wahl leider viel öfter besuchen, als ihr das wahrhaben möchtet. Auch wenn du plötzliche Schmerzen hast und nicht weißt warum (so z.B. bei meiner Stimulation): je näher, desto besser. Einfach in ein Taxi setzen und hinfahren.

  • Mehr auf Urlaub fahren

Ok, ich geb’s zu, dieser Tipp ist in Corona-Zeiten natürlich eine Frechheit. Aber ich habe immer wieder Urlaube geplant mit dem Hintergedanken: „Naja, wenn ich dann schwanger bin, ist das aber blöd…!“ Fahrt wohin ihr wollt und wie lang ihr wollt! Stornieren kann man noch immer. Aber wenn du frustriert vom Kinderwunsch bist, hast du wenigstens einen schönen Urlaub geplant. Weg vom Urlaub, ist dieses Phänomen wahrscheinlich auch als Sheryl Sandberg-Phänomen zu verbuchen. Wir planen, das Kind schon ein, bevor es da ist und machen Raum dafür.

Wir sind ohnehin neun Monate schwanger und das Kind kann dann eingeplant werden, wenn wir wirklich schwanger sind. Im Beruf und auch privat. Obwohl: sollten wir nicht für die Empfängnis möglichst entspannt und stressfrei sein? Wenn wir im Job dann stressige Projekte annehmen, funktioniert’s ja mit der Schwangerschaft nicht? Es ist alles nicht so einfach. Und Sheryl Sandberg gibt eben Karriere- und keine Fruchtbarkeitstipps.

  • Informiert euch!

Ich hatte keine Ahnung, was auf ich zukommt. Ich habe mich im Internet über IVF informiert, aber irgendwie sind Live-Berichte von anderen Frauen doch etwas anderes. Hätte ich gewusst, dass ich noch eine IVF vor mir haben werde, hätte ich mir definitiv schon früher ein Buch darüber gekauft und nicht nur Saskias Family Blog angesehen. Es ist eben auch trügerisch: mit jeder Insemination habe ich natürlich gehofft, dass ich schwanger werde. Wofür einlesen, wenn sowieso bald andere Themen ins Haus stehen? Träumen wir nicht alle von dem Moment, in dem wir ins Buchgeschäft gehen und „Oje, ich wachse“ kaufen? Bücher über IVF im Internet bestellen ist definitiv weniger attraktiv. Noch dazu ist recht unklar, welche davon überhaupt seriös und hilfreich sind. (Falls jemand Tipps hat, gerne! Ich habe leider noch immer kein IVF Buch und höre nur Podcasts.)

Nicht zuletzt deshalb habe ich ja auch diesen Blog gestartet – weil ich selbst kaum Informationen hatte.

Welche Tipps habt ihr noch?

4 Gedanken zu “Was ich anders machen würde, könnte ich die Zeit zurückdrehen

  1. Max

    Hallo Christina,

    Ich bin durch deinen Gastbeitrag im Standard auf deinem Blog aufmerksam geworden. Auch wir haben leider schon erfolglose IVF Versuche hinter uns.

    Besonders unterstreichen möchte ich bei deinem Beitrag den ersten Tipp, sich mehr als ein Institut anzusehen. Wir haben nach der ersten Behandlung das Institut gewechselt und dabei einen hohen positiven Qualitätsunterschied festgestellt. Gerade beim IVF ist es aus meiner Perspektive wichtig, mehr als eine Nummer für das behandelnde Institut zu sein.

    Zusätzlich finde ich den letzten Punkt auch sehr wichtig. Man sollte sich darüber klar werden, dass eine künstliche Befruchtung kein Spaziergang ist. Die Behandlung verlangt einem körperlich und seelisch eine ganze Menge ab (für beide Partner) und man sollte Sie auf keinen Fall unterschätzen. Des Weiteren sollte einem klar werden, dass eine künstliche Befruchtung keine Erfolgsgarantie hat. Natürlich sollte man positiv gestimmt sein, jedoch sollte man die Euphorie auch nicht zu hoch leben lassen, sonst ist der Fall bei einem negativen Ergebnis nur noch tiefer. Ich weiß, dass dies für viele sehr hart klingt, jedoch werden es die Leute verstehen die bereits ein negatives Resultat hatten. Es ist sehr schwer mitansehen zu müssen wie der Partner und beste Freund nach so etwas leidet.

    Gerne möchte ich noch anfügen, dass dies meine persönliche Meinung (aus Sicht eines Mannes) ist.

    Grüße
    Max (für meine Kommentare)

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    1. Lieber Max, vielen Dank für deinen Kommentar und die positive Rückmeldung:-)! Gerade die Sichtweise der Männer fehlt ja leider oft. Interessant, dass ihr Klinik gewechselt habt! Wir überlegen auch immer wieder, aber die Überwindung ist doch recht hoch, wenn die Embryonen schon mal eingefroren sind und alle Befunde in einer Klinik zentral gesammelt. Ich wünsche euch alles Gute für die Zukunft! Liebe Grüße, Christina

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  2. Simone

    Ich kann dir nur zustimmen.
    Als essentiell finde ich, sich wirklich im Detail mit allen Optionen zu beschäftigen. Und sich auch einzugestehen, dass dies ohne externe Hilfe vielleicht nicht moeglich ist. Deshalb kann es sehr sinnvoll sein, auch Beratung und Begleitung außerhalb eines Kinderwunschzentrums in Anspruch zu nehmen. Mittlerweile gibt es viele Therapeut*innen, die auf das Thema Kinderwunsch spezialisiert sind. Sie koennen helfen, einen Blick aus der Vogelperspektive zu gewinnen. Entscheidungen sollten nicht aus Angst getroffen werden.
    Auch Trauer zuzulassen, alleine schon mal über die Tatsache, dass es auf natürlichem Weg nicht klappt, finde ich absolut wichtig.
    Ich wünsche euch alles Gute!

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    1. Danke, Simone, für deinen Beitrag! Das ist natürlich ein wichtiger Hinweis. Hilfe suchen – auch für die Seele und nicht nur für den Körper. Ich habe auch letztens diesen spannenden Blogbeitrag entdeckt zum Thema Burnout vom Kinderwunsch: https://www.wegweiser-kinderwunsch.de/kinderwunsch-burnout/. Wir sollten wohl alle die psychische Belastung in dieser Zeit nicht unterschätzen und lernen, Grenzen zu ziehen. Auch wenn es nicht einfach ist. Ich bin auch gerade dabei, eine Seite mit Kontakten zusammenzustellen und freue mich über Tipps! Alles Liebe, Christina

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