Meine medizinische Geschichte

Vor mehr als zweieinhalb Jahren haben mein Partner und ich begonnen, unverhütet zum Eisprung Sex zu haben, um ein Kind zu zeugen. Schon nach einigen Monaten war ich besorgt: meine Schilddrüsenwerte waren sehr gut (ich habe eine Autoimmunerkrankung) aber trotz Eisprungtests und GVNP (Geschlechtsverkehr nach Plan, wie ich durch die Blogs und Bücher nun gelernt habe) und Eisprungtests mit lachenden Smileys war ich noch immer nicht schwanger. Um mich herum wurden alle scheinbar im Nu schwanger – aber bei uns passierte einfach nichts.

Nach etwa zehn Monaten hat mich die Geduld verlassen. Ich wollte etwas tun, irgendwas stimmte einfach nicht. Oder ich wollte zumindest wissen, ob etwas nicht stimmt. Mein Partner hatte vor Jahren mal ein Spermiogramm machen lassen, das zwar nicht besorgniserregend, aber auch nicht besonders gut war. Zitat Urologe: „Ein Spermiogramm ist kein Spermiogramm.“

Scheinbar widerwillig hat mir mein damaliger Frauenarzt die Überweisung fürs Labor geschrieben, damit ich die für die Klinik notwendigen Untersuchungen machen konnte. Ich hatte das Gefühl, ich musste ihn irgendwie erst davon überzeugen, dass das notwendig wäre. Beratung in irgendeine andere Richtung bekam ich leider aber auch nicht.

Das erste Mal in der Klinik

Nach dem Informationsabend und dem Erstgespräch in der Klinik fühlten wir uns relativ gut informiert und gingen raus mit dem Gefühl: ok, theoretisch passt eigentlich alles. Statistisch gesehen dauert es einfach nur länger. Das Spermiogramm ist ein bisschen schlechter, aber nicht besorgniserregend und meine Schilddrüse gut eingestellt. Auch meine Eileiter waren laut Eileiterröntgen grundsätzlich durchgängig, nur auf einer Seite sehr dünn.

Ein Zyklus nach dem anderen ging vorbei. Jede zweite Zyklushälfte war eine Qual, in der mein Körper unter ständiger Beobachtung stand: Ziehen meine Brüste? Sind sie größer? Oder dünkler? Hab ich Gusto auf andere Lebensmittel? Schmeckt die Milch normal? Warum war mir morgens leicht übel? Es war wirklich zum Heulen. Und ehrlich gesagt: so richtig schwanger hab ich mich nie gefühlt und übel ist mir leider sehr oft in der zweiten Zyklushälfte. Zu allem Übel hatte ich mir anfangs noch das hochgesteckte Ziel, in der zweiten Zyklushälfte lieber keinen Alkohol zu trinken weil das besser für das Baby wäre. Sicher, für mich ist das auch gesünder. Aber meinen Mann beim Trinken der guten Weinflaschen zuzusehen UND mit der monatlichen Enttäuschung zu leben, machte mich sicher auch nicht glücklicher (oder weniger gestresst).

Inseminationen 1 bis 3 und der Kremertest

Vor etwa einem Jahr haben wir dann die erste Insemination (ohne Stimulation oder Hormone) gestartet – ohne Erfolg. Auch die zweite Insemination brachte leider nichts. Nein – falsch! Sie brachte eine weitere Hiobsbotschaft. Wir hatten im Rahmen der zweiten Insemination beschlossen, den Kremertest zu machen. Und da war ich bzw. waren wir (so ganz versteh ich das noch immer nicht) 3 Kreuz positiv. Kurz zusammengefasst hieß das: Mein Cervixschleim greift die Spermien an. Die Ärztin am Telefon gratulierte mir, dass wir ja mit den Inseminationen am richtigen Weg sein.

Nach Gratulationen fühlte ich mich ganz und gar nicht. Zu diesem Zeitpunkt kam das für mich einem Weltuntergang gleich. Ich war schon nach zwei Inseminationen völlig fertig und gestresst und fühlte mich weder besonders gut informiert noch gut diagnostiziert. Jegliche Kommunikation mit der Klinik oder GynäkologInnen lief natürlich über mich. Selbst Versuche, meinen Mann bei e-mails in Kopie zu setzen, damit er auch die Antwort bekommen würde – erfolglos. Mein Mann war nur der Nebenschauplatz. Mein Körper ständig im Zentrum der Geschehnisse, nur leider ohne, dass ich mich geistig und seelisch tatsächlich miteinbezogen fühlen würde. Und das alles müsste jetzt so weitergehen, weil anders keine Schwangerschaft möglich wäre.

Und mit diesen positiven Gefühlen ging ich dann einige Zeit später in die dritte Insemination. Zum ersten Mal war mein Mann dann für die Insemination nicht dabei. Ich hatte immer gedacht, wie unromantisch das ist. Aber tatsächlich ist es bei zwei Vollzeit-arbeitenden Menschen sehr schwierig, all diese nicht sehr planbaren Termine gemeinsam wahrzunehmen. Also saß ich allein im Warteraum, und würde plötzlich nicht in die Garderobe zum Ausziehen, sondern zum Arzt ins Zimmer gerufen. Was war los? „Sie müssen mir jetzt helfen.“, sagte mir der Arzt. Das Spermiogramm war zu schlecht. Ich sollte die Entscheidung treffen, ob ich trotzdem den Samen injiziert haben wollte oder nicht. Die Wahrscheinlichkeit, dass ich schwanger werden würde, war aber gering. Aber die Arbeit war natürlich schon getan, und ich war auch da. Und wurde natürlich nicht schwanger.

IVF – oder doch die vierte Insemination?

Letzten Herbst 2019 wollten wir dann mit der IVF starten. Ich sah einfach keine andere Möglichkeit mehr. Die Zeit lief uns davon, die Inseminationen waren nicht erfolgreich, das Spermiogramm schlecht, der Kremertest auch positiv und irgendwie hatte ich das Gefühl, dass bei mir wahrscheinlich auch irgendwas anderes nicht stimmt. Weil der Kremertest allein könnte es eigentlich nicht sein.

Ich wollte eigentlich keine IVF: das ist alles einfach so unnatürlich und weit weg von normaler Fortpflanzung. So viel Hormone, so eine große Belastung für mich. Und abgesehen davon las ich immer wieder Artikel über die Langzeitschäden von IVF Kindern. Wollte ich das wirklich? Was, wenn das Kind mit einer Behinderung auf die Welt kommt? Und das auch, weil ich mir einbilde, unbedingt ein Kind in die Welt setzen zu wollen! Ich versuchte, mir die positiven Beispiele vor Augen zu halten: Eine Verwandte meines Mannes, die nun endlich ein Kind bekommen hatte. Oder die Obamas. Wenn Michelle Obama das geschafft hat und die Kinder gesund sind, kann ich das vielleicht auch? Yes we can!

Spritzenpanik

Ich hatte alle Medikamente und Spritzen bekommen, einen Spritzenplan und gute Ratschläge (warmen Tee trinken, Suppe essen, nichts Blähendes zu sich nehmen, viel Trinken). Doch am entscheidenden Abend für die erste Spritze war mein Mann erst später zu Hause und ich bei seiner Ankunft ein heulendes Wrack. Ich konnte das einfach nicht. Ich hatte das Gefühl, das war die Wahl zwischen Pest und Cholera: meinen Körper mit Hormonen ruinieren oder für immer kinderlos bleiben. (Ich geb’s zu, ich neige in solchen Momenten zur Melodramatik. Aber es war wirklich furchtbar Scheiße.) Und wenn irgendwas schief gehen würde, müsste ich es auch meinen Mann bis ans Ende seiner Tage vorhalten, weil ich einfach nicht 100 Prozent hinter dieser Entscheidung stand. Aber genau vor solch unwahrscheinlichen Szenarien wie in der Fruchtbarkeitsklinik in Baden hatte ich in diesem Moment einfach höllische Angst und Panik. Wahrscheinlicher ist ja noch, dass eine Überstimulation eintritt oder dass ein anderes Organ bei der Punktion perforiert wird. Die Follikelpunktion ist ein Eingriff, und dementsprechend gibt es auch Risiken. Und es ist nunmal kein lebensnotwendiger Eingriff.

Kurzum: die geplante IVF wurde zur Hormon-stimulierten Insemination. Die Klinik war verständnisvoll, aber irritiert. Ich hätte doch so fokussiert und entschlossen gewirkt? Warum denn nun so eine Panik?

Ich wollte einfach zuerst sehen, wie es meinem Körper mit den Hormonen ging, bevor ich gleich eine Überdosis in meinen Körper spritzen sollte. Die Medikamente und Spritzen für die IVF blieben -voerst- in unserem Kühlschrank liegen. Für die stimulierte Insemination gab es nur Tabletten. Heraus kamen zwei wunderschöne Eizellen auf der rechten und richtigen Seite – aber leider wiedermal kein Baby.

Wie es nun weiterging, könnt ihr demnächst in den Blogeinträgen zur IVF weiterlesen.