Testtag

Ich weiß nicht, wie ihr es alle so mit dem Testen hält. Ich seh‘ ja auf Instagram alles: Die Frauen, die gleich nach dem Transfer mit den Schwangerschaftstests anfangen genauso wie jene, die wirklich bis zum Bluttest warten.

Bis zum Bluttest warten schaffe ich es nie. Bei den Inseminationen hab‘ ich sowieso manchmal schon die Regel bekommen, bevor es Zeit für den Bluttest war. Und sonst haben wir nach jedem Transfer kurz vor dem Bluttest getestet. In meiner Klinik muss ich in der Früh zum Bluttest und bekomme dann irgendwann am Nachmittag den Anruf. IRGENDWANN. An einem stinknormalen Arbeitstag. Ganz ehrlich: würde ich tatsächlich bis zum Bluttest warten, steh ich vielleicht irgendwo im Büro und kriege diesen Anruf. Kurz vor einer Besprechung, in einer Besprechung – einfach irgendwann. Das steh ich psychisch nicht durch. Da bin ich lieber in meinen eigenen vier Wänden, pinkle auf einen Streifen und mein Mann und ich starren alleine enttäuscht auf die Linie, die nicht auftaucht.

Ich finde diesen Anruf am Nachmittag auch irgendwie schwierig für die andere Person am Ende der Leitung. Im besten Fall ist es eine Ärztin, die zumindest weiß, wer ich bin. Im schlimmsten Fall hat die Person keine Ahnung wer ich bin und muss Mitleid heucheln. Oder Traurigkeit. Ich frag mich dann auch immer, ob die darauf warten, dass ich in Tränen ausbreche. Oder wie die anderen Frauen da reagieren. Also um diesen Moment für mich so erträglich wie möglich zu gestalten, testen wir immer vorher.

Und nun war es wieder soweit. Wie gesagt – ich hab‘ ja zum ersten Mal andere Symptome gehabt, als zuvor. Ständiges Zwicken, immer wieder Ziehen. Aber wahrscheinlich waren das nur die Hormone? Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass ich mehr merken müsste: meine Brüste, oder sonst irgendeine Veränderung. Ich war mir völlig unsicher.

Mein Mann und ich starrten auf die Testlinie, die uns – wie immer – jedes Mal dick und fett sofort entgegen leuchtete. Daneben? Weiß. Kam da noch was? Der Raum daneben blieb komplett weiß. Nichts war da. Nicht schwanger. Auch der dritte Transfer war schief gegangen.

Warum klappte es bloß nicht? Ich legte mich frustriert und traurig wieder zurück ins Bett. Alles würde weitergehen wie bisher. Am Nachmittag kam der Anruf, als ich schon am Rückweg aus der Arbeit war. Nichts. HCG 0. Nicht das kleinste bisschen war passiert – nur die künstlichen Hormone hatten mir einen Streich gespielt.  

3 Gedanken zu “Testtag

  1. Oh man. Das sind so niederschmetternde Momente. 😔
    Ich wünschte es wäre anders. Ich hab auch meistens vorm Bluttest getestet. Hatte einmal den Fall dass ich negativ getestet habe und der Bluttest positiv. Sonst war ich immer vorbereitet auf den Anruf. War da übrigens immer emotionslos am Telefon. Selbst als sie mir positives berichtet haben. Also keine Tränen oder so. Fände ich auch komisch am Telefon, aber da ist ja jeder anders.

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