Warum adoptieren?

Julia berichtet als die Kamikazefliege auf Instagram und auf ihrem Blog von der Geschichte der Adoption ihrer Tochter in Thailand. Für Die Fruchtbar erzählt sie auch die Vorgeschichte – und will anderen Menschen mit Kinderwunsch aufzeigen, wie spannend wunderschön und erfüllend eine Adoption sein kann (trotz aller Hürden, die manchmal in den Weg gelegt werden).

Der Vorspann

Auf einem Klassentreffen vor etwa 12 Jahren fragte mich meine ehemalige Klassenlehrerinn, ob ich denn schon ein Kind adoptiert hätte.

Ich stutzte, tatsächlich hatte ich ein leibliches Kleinkind, war vom Vater getrennt und kämpfte mich als Alleinerziehende ganz gut durch. Sie erinnerte mich: in der 5. Klasse hatte ich lauthals verkündet, später einmal ein Kind zu adoptieren.

Aha…. bis es dann aber wirklich soweit war, sollte noch ein wenig Wasser den Rhein herunterfließen. Ich lernte meinen Mann kennen, wir zogen zusammen und gründeten mit meiner damals fast neunjährigen Tochter eine Patchwork- Familie.

In dieser Zeit begann unser gemeinsamer Kinderwunsch zu wachsen, in der festen Überzeugung, dass es sofort klappen würde; war ich ja bereits beim ersten Mal, noch während meiner Ausbildung, überraschend und ungeplant schwanger geworden.

Als sich dann kein Kind einstellen wollte, ließen wir zunächst bei meinem Mann und dann bei mir alles abchecken, ergebnislos. Für uns begannen die Mühlen der Kinderwunschbehandlung zu mahlen und eh wir uns versahen, hatte ich eine sehr schmerzhafte Bauchspiegelung, schluckte und spritzte Hormone, ließ mir Eizellen entnehmen und wieder einsetzen.

Heute wissen wir nicht mehr, wie es dazu kommen konnte. Wir beide haben eigentlich eine gewisse Zurückhaltung, wenn es um das Eingreifen in natürliche Vorgänge geht. Ich vertraue zwar grundsätzlich der Schulmedizin, sehe aber auch, gerade wenn es um Fortpflanzung und Genetik geht, da ganz schnell ethische Grenzen. Mein Mann hingegen ist christlich erzogen und sieht den Konflikt des „Schicksals spielens“.

Vermutlich liegt es an der Geschwindigkeit, die eine KiWu- Behandlung aufnehmen kann und an der Hoffnung, die einem in dieser emotionalen Phase mit jedem weiteren Schritt gemacht wird.

Das erste Kapitel – Unsere Adoptionsreise

2015 bogen wir ab von diesem Weg und starteten unser Adoptionsabenteuer.

Es folgten Behördengänge, wir machten uns nackig vor Ärzten, Psychologen und Bankberatern; Papierstapel wuchsen, Ordner wurden dicker, etwa ein Jahr später war unsere Akte auf dem Weg nach Thailand.

Schon zwei Monate später hielten wir ein Bild unserer Tochter in der Hand, zuckersüß, frech, 3,5 Jahre alt und ready to rumble! Nun begann also unsere Adoptionsschwangerschaft, wir stellten uns auf ein Jahr Wartezeit ein, da dies das Verfahren des privaten Kinderheimes in Bangkok ist.

Im Mai trafen wir uns mit einer Gruppe wartende Eltern in Köln, unsere Kinder kamen alle aus dem gleichen Heim, es wurden neue Bilder ausgetauscht und Freundschaften geknüpft, die bis heute halten.

Im Juni klingelte dann bei uns das Telefon, wir können kommen! Wir packten unsere Koffer und standen dann, 2 Jahre nach Beginn dieser Reise, tatsächlich in einem kleinen Kinderheim, mitten in Bangkok, unserer wunderschönen Tochter gegenüber.

Hier beginnt nun unser Leben als ganz normale Patchwork- Adoptiv- Familie.  Der Anfang war nicht immer leicht, unsere kleine Tochter testete sehr früh aus, ob wir es wirklich ernst mit ihr meinten. Sie hatte 4,5 Jahre für sich selbst einstehen müssen und war nun nicht so schnell bereit, diese Autonomie aufzugeben.

Für mich war hier immer der Austausch und das weitere Informieren wichtig. Ich blieb in Kontakt mit vielen Adoptiveltern, die ganz ähnliche Situationen erlebten, das gab uns viel Kraft und Halt.

Zwei Jahre später war unsere Tochter angekommen, die Aussicht auf einen guten Schulstart war gegeben und unser Familienleben längst genauso chaoitisch/ harmnisch wie das der „Standard“ Familien um uns herum.

Das zweite Kapitel – Adoptionsschwangerschaft, die Zweite

Wir reichten also, nach reiflicher Prüfung unserer Situation und der Bedürfnisse der einzelnen Familienmitglieder, einen zweiten Adoptionsantrag ein. Es lief von Beginn an deutlich zäher als beim ersten Mal, im Jugendamt hatte die Belegschaft gewechselt und dann krachte Corona voll rein.

Dennoch schafften wir es, binnen 14 Monaten unsere Akte nach Thailand zu senden. Diese sollte nun aber einen ganz anderen Weg gehen, als bei unserer Tochter, sie landete im Thailändischen Jugendamt, wird hier in einem Zeitrahmen von 2-3 Jahren „gematcht“ und bei Anruf erfolgt quasi auch gleich die Einladung, das Kind abzuholen.

Epilog – Fortsetzung folgt

Eine neue Erfahrung und wir sind gespannt, was da nun auf uns zukommen wird. Ich habe in dieser Zeit wieder begonnen, meinen Blog (Die Kamikazefliege) weiterzuschreiben und auch bei Instagram einen Account gestartete, in dem ich anderen Menschen mit Kinderwunsch aufzeigen möchte, wie spannend wunderschön und erfüllend eine Adoption sein kann und wie unzureichend das Wissen darum, sogar in den zuständigen Stellen manchmal sein kann.

Adoption ist kein Plan B, keine schlechte Alternative, sondern eine wunderschöne Möglichkeit, eine Familie zu werden.

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