Ungewollt kinderlos – Der Allgemeinheit fehlt es an Wissen und Bewusstsein

Diesmal wendet sich die Gast-Autorin Biene Maya an uns. Sie hat 2020 viele Arzttermine und den ersten Besuch in der Kinderwunschklinik hinter sich.

Liebe alle,

ich bin durch den Standard Artikel von Frau Mayermann auf diesen Blog gestoßen. Meine Geschichte ist ähnlich wie die von vielen von euch.

Mein Freund und ich sind bereits über zehn Jahre zusammen. Ich bin 35 Jahre alt und ungewollt kinderlos. Ich wollte eigentlich mit 30 schon „anfangen“. Mein Freund hingegen wollte zuerst die passende Wohnung finden. Ich hatte dann mit 31 endlich meinen Traumjob gefunden– leider musste ich Mobbing erleben und das Feld räumen. Diese Zeit hat mich sehr traurig gemacht. Als ich 33/34 Jahre alt war, wollten wir nun loslegen und wir verhüteten nicht mehr. Kopfmensch, der ich bin, ging ich zu meinem üblichen Frauenarzt und zusätzlich zu einer privaten Frauenärztin. Beide bestätigten mir, dass ich „gesund“ sei. Ich wollte einfach verhindern, dass etwas mit mir nicht stimmt und die „Arbeit“ 😉 umsonst war. Und wenn etwas nicht stimmen sollte, dann gab es die Möglichkeit nicht viel Zeit zu vertun, sondern gleich aktiv zu handeln. So war mein Denken damals. Leider klappte es nicht.

PCOS, Prolaktin oder TSH? Dabei bin ich doch gesund!

Ich war dann Anfang 2020 beim Frauenarzt und er schaute sehr besorgt. Wir machten ein Hormon Blutbild. Es bestand Verdacht auf ein PCO Syndrom – das habe ich vorher noch nie gehört. Ergebnis des Hormon Blutbildes: Prolaktin Wert zu hoch und Schilddrüsenwert (TSH basal) zu hoch, daher leichte Unterfunktion. Diese „Unterfunktion“ würde man normalerweise nicht behandeln, außer es besteht ein Kinderwunsch. Davon habe ich noch nie gehört. Ebenfalls musste ich auch ein Schädel-Röntgen machen, da mein Prolaktin Wert zu hoch war. Soweit war nach diesen Untersuchungen alles in Ordnung, Prolaktin-Wert habe ich dann mit Tabletten hinbekommen, dauerte allerdings auch (Dosis wurde geändert). Als ein großes Problem erwies sich der Schilddrüsenwert. Dieser TSH-Wert sollte unter 2,5 uU/ml sein. War er zunächst zu hoch, war er aufgrund der zu hohen Dosis nun zu niedrig. Es kam dann Corona und verspätete Untersuchungen. Fakt ist: Bis heute passt der Wert nicht und ich probiere herum mit der Dosis … Ich werde diesen Moment nie vergessen. Ich saß vor dem Arzt und dachte ich bin im falschen Film. Was redete er da? Ich dachte doch, ich bin gesund!

Nun sind wir in der Kiwu-Klinik

Ich habe im Jahr 2020 im Herbst eine Kinderwunsch Klinik aufgesucht. Ich fühlte mich im Rahmen des Erstgesprächs dort wohler, als bei meinem Frauenarzt. Wir machten wieder ein Hormon-Blutbild, Ultraschall-Untersuchung und dann etwas später ein „Eileiter-Röntgen“ (HyCoSy- Ultraschall der Eileiter), um zu sehen, dass beide Eileiter durchgängig sind. Ich hatte auch von dieser Untersuchung nie etwas gehört. Warum erklärt man mir nicht früher, dass es so etwas gibt? Ich hätte das auch gerne privat bezahlt. Wir werden 2021 „Verkehr zum optimalen Zeitpunkt“ probieren und bei weiterer Erfolglosigkeit Insemination und künstliche Befruchtung. Derzeit passt, wie erwähnt, mein Schilddrüsenwert für das noch nicht … Ich weiß nicht, auf was man noch alles stoßen wird bei mir. Ich bin mittlerweile eher pessimistisch, da ich mehr weiß als damals und mir auch bewusst ist, was noch alles schief gehen kann. Ich sah mir nach diesen Vorfällen viele Berichte auf Youtube an von ungewollt kinderlosen Paaren und las viele Blogs, auch diesen hier. Sehr oft, waren diese Paare lang in Behandlung – erfolglos. Und dann nach einiger Zeit, „entdeckten“ Ärzte etwas, was man schon früher entdecken hätte können. Das ist sehr frustrierend. Mein Freund ging auch zum Arzt – er ist kerngesund, es ist leider meine Schuld, dass es nicht klappt.

Warum schreibe ich das alles?

Uns ungewollt kinderlosen Frauen wird oft vorgeworfen, dass wir „zu wenig“ bzw. „nicht alles geben“ für den Kinderwunsch. Es wird suggeriert, es ist „unsere Schuld“, dass es nicht klappt, weil wir zu spät angefangen haben, nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft haben oder – ja, der Klassiker – „nicht entspannt genug sind“. Ja, ich werfe mir mehr als oft vor, zu spät angefangen zu haben. Vielleicht ist es meine so subjektive Wahrnehmung, aber: In meinem Bekannten und Freundeskreis gibt es die Probleme, wie ich sie habe, einfach nicht. Bitte verzeiht mir, wenn ich nicht mit Statistiken dienen kann und nur meine eigene Wahrnehmung wiedergebe. Ich realisiere, dass die Mehrheit der Menschen in meinem Alter gesund sind und ich eben die Minderheit darstelle, die das nicht ist. Ich als Minderheit kriege „das einfachste und schönste auf dieser Welt“ nicht hin. Eine Freundin ist älter als ich, wurde von ihrem Frauenarzt auf mögliche Probleme bei Schwangerschaftswunsch hingewiesen. Anfang 2020, als ich diesen schlimmen Termin bei meinem Frauenarzt hatte, treffe ich sie und zwei weitere Freundinnen ca. eine Woche später. Die betreffende Freundin erzählt sofort bei Beginn des Treffens: „Ich habe meinen Körper so gut gekannt und wusste genau wann Eisprung war und es hat nach 2 Monaten sofort geklappt.“ Und knallt mir das Ultraschall Bild des Babys auf den Tisch. Natürlich ging es nur mehr um dieses Thema. Ich hätte an diesem Abend sehr gerne über den unangenehmen Termin beim Frauenarzt erzählt. Bei diesen Nachrichten sind solche Probleme, wie ich sie habe, natürlich fehl am Platz. Ich ließ es einfach sein. Die gute Freundin wusste überhaupt nichts von einem Schilddrüsenwert, Prolaktin oder sonstigen Problemen. Woher auch?

Der Allgemeinheit fehlt es an Wissen und Bewusstsein

Was ich damit sagen möchte: Ich wüsste von diesen Problemen auch nichts, hätte ich sie nicht selbst gehabt. Ich hätte vor Jahren sicher auch einer Frau in meiner Situation geraten „entspannt zu sein“. Weil ich es einfach nicht besser wusste. Es fehlt der breiten, gesunden Masse am Wissen über die Gründe, warum man nicht schwanger werden kann. Diese können vielseitig sein und – Überraschung – nicht nur an der Frau liegen.

Abseits vom Wissen fehlt es der Allgemeinheit auch am Bewusstsein, dass nicht bei jeder/jedem die medizinischen Errungenschaften helfen. Nein, eine künstliche Befruchtung führt nicht immer zum Ergebnis und auch nicht die x anderen Dinge, die man empfohlen bekommt (angefangen vom Mönchspfeffer, keinen Kaffee trinken, kein Getreide essen etc.). Beim letzten Termin bei meinem Frauenarzt sagte der „In 20 % der Fälle kann man nicht erklären, warum es nicht klappt.“ Das ist jetzt wirklich statistisch, aber hilft im Ergebnis – zumindest mir – auch nicht wirklich weiter.

2 Gedanken zu “Ungewollt kinderlos – Der Allgemeinheit fehlt es an Wissen und Bewusstsein

  1. Hallo Maya, ich verstehe Dich nur zu gut. Ich glaube dass sich viel nicht auskennen und nicht informiert sind liegt zum Einen der Informationstag (niemand spricht drüber) und nicht Betroffene interessiert es nicht. Das war bei mir damals nicht anders. Am schlimmsten ist aber das daher fehlende Verständnis und die fehlende Empathie. Das macht mich sehr oft traurig.
    Ich schreib auch zu dem Thema und falls Du Lust hast, schau gern mal vorbei. Ich freu mich immer sehr über solche Beiträge wie Deiner. Damit weiß man, dass man nicht allein ist. Kompliment auch an den Blog hier! Wäre super wenn man eine Vernetzung aller Blogs hinbekommt, die sich mit dem Thema beschäftigen.

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