Carpe diesen scheiß diem

Jiuliena hat schon viel länger als ich ihren eigenen Blog „Carpe diesen scheiß diem“! Es ist einer meiner Lieblingsblogs, ganz gespannt warte ich immer auf die Fortsetzung ihrer Kinderwunsch-Geschichte die sie unter dem klingenden Namen „Wunsch nach Babyscheiße“ veröffentlicht. Lest hier ihren Beitrag für die Fruchtbar.

Als mich die liebe Christina gebeten hat, einen Gastbeitrag für ihren Blog zu schreiben, musste ich nicht lange überlegen. Seit mittlerweile 7 Monaten bin ich zurück in der Bloggerwelt und schreibe auf meinem Blog carpediesenscheissdiem.wordpress.com über meinen (unseren) Kinderwunsch. Den Blog gibt es schon viel länger, denn vor ein paar Jahren waren es ganz andere Dinge die mich beschäftigten und die ich irgendwie zu Papier bzw. in die digitale Welt bringen wollte. Dinge die in meinem Kopf rumspukten, wie die schmerzhafte Begegnung mit einer fiesen Qualle, unglaubliche Tinderdates, als Single auf einer Hochzeit eingeladen zu sein, aufregende Backpackerreisen nach Südostasien, das F-Wort, Gänseblümchen und Herzchenscheisse.

In Worten FÜNF

Unser Kinderwunsch beschäftigt uns nun bald schon 4 Jahre. In Worten VIER. Das sind 48 Monate und fast genauso viele Zyklen. Ich durfte in dieser Zeit fünfmal positiv testen, hatte fünf Fehlgeburten und wurde viermal operiert. Wir waren bei unzähligen Ärzten und Spezialisten. Literweise wurde mir in dieser Zeit Blut abgenommen, Hormone gecheckt, zahlreiche Medikamente verabreicht und seit über 1,5 Jahren spritze ich mich aufgrund einer leichten Blutgerinnungsstörung selbst.

Eine lange Zeit zwischen Warten, Hoffen und Bangen. Zahlreiche Enttäuschungen, Schwangerschaftstests und Tränen. Als wir im Sommer 2017 die Verhütung wegließen, war mir klar, dass es nicht gleich passieren würde und trotzdem hoffte ich es natürlich insgeheim doch. Beim Thema Schwangerschaft sprang bei mir sofort das Kopfkino an. Wie schaltet man das eigentlich ab? Ich malte mir aus, wie ich meine Familie mit der Nachricht überraschen würde. Ab und zu bekam ich bereits einen Seitenhieb von meiner Mutter, dass es doch endlich Zeit für Nachwuchs wäre. Damals wussten wir beide nicht, dass solche Seitenhiebe irgendwann sehr schmerzhaft sein würden.

Könnt Ihr Mütter Euch noch erinnern, wie Ihr Eurem Partner gesagt habt, dass ihr schwanger seid? Diesen Moment erlebte ich nun (bisher) schon fünfmal. Beim ersten Mal war es an unserem Jahreskennlerntag so weit, den wir eigentlich nie feiern. Ich musste in meinem alten Outlook Kalender nachschauen um mich zu vergewissern, dass es sich um diesen Tag handelte. Ich bereitete eine kleine Box vor und legte Mini Strümpfchen und den Schwangerschaftstest herein und tarnte es als Jahrestagsgeschenk. (Das hatte ich schon Monate vorher mal auf irgendeinem Pinterestchannel gesehen und wartete seit dem darauf, diese Box zu packen.) Im Nachhinein betrachtet konnte es kitschiger nicht sein, aber es war eben auch das Erste Mal.

Beim zweiten Mal meinte ich zu ihm „Hey, ich habe eine Überraschung für Dich!“ dabei hielt ich den Schwangerschaftstest hinter meinem Rücken versteckt. Beim dritten Mal meinte ich „Ich glaube ich bin schwanger. Der Test ist aber nur hauchzart. Vielleicht bin ichs auch nicht.“ Es folgte eine biochemische Schwangerschaft. An das vierte Mal kann ich mich schon nicht mehr erinnern. Beim fünften Mal, hörte Er mit wie ich mit der Kinderwunschklinik telefonierte und erkannte sofort an meinem Gesichtsausdruck, dass es wieder geklappt hatte. (Mein Gesicht war blutunterlaufen und es lag ein breites, ungläubiges Grinsen vor.) Nun warten wir gespannt ob es noch ein Sechstes Mal geben wird. Der Zauber dieser Mitteilung ist jedoch verflogen und wird nie wieder der gleiche sein, wie am Anfang. Generell ist jeglicher Zauber einer Schwangerschaft bei mir verflogen. Denn wenn sich bei mir mal wieder zwei Striche auf dem Test abzeichnen sollten, beginnt für uns das Zittern und die Angst.

Die Angst vor der nächsten großen Enttäuschung. Angst davor, dass die Schwangerschaft wieder nur biochemisch ist und die befruchtete Eizelle sich bereits nach ein paar Tagen winkend verabschiedet. Angst davor, dass die Schwangerschaft ein Windei sein könnte, wo sich außer der Fruchthöhle nichts weiter entwickelt. Angst davor, dass sich kein Herzschlag entwickelt und Angst davor, dass das kleine Herzchen irgendwann nicht mehr schlagen könnte. Ich hoffe sehr, dass ich sowohl diese Ängste bald ablegen kann als auch irgendwann einen Beitrag über die Geburt unseres Minis veröffentlichen kann. Aber vorher sollte es auch erst einmal wieder diesen besagten Test mit den zwei pinken Strichen geben. Ja, wir machen weiter. Irgendwo ist da immer noch dieses Fünkchen Hoffnung, dass wir vielleicht doch noch Eltern werden dürfen und darüber möchte ich auch zukünftig auf meinen Blog berichten.

In Worten VIER-NULL

Das alles kostet aber wahnsinnig viel Kraft und was noch viel schlimmer ist: Zeit. Zeit die ich nicht habe, weil in nicht weiter Entfernung die angstumwobene, hässliche, undankbare 40 winkt. Irgendwie war es doch erst gestern dass ich Abitur gemacht habe, oder doch nicht? Auf jeden Fall waren damals schon die 30jährigen alte Omas. Damals dachte ich auch, dass ich mit Anfang 30 mindestens zwei Kinder, ein schönes Haus und einen tollen Mann an meiner Seite haben würde. Ich bin froh wenigstens eines dieser Wünsche verwirklicht zu haben (einen tollen Mann). Der trat aber auch erst in dem „zarten Alter“ von 34 in mein Leben. Wäre alles gut gegangen, hätte ich wenigstens ein paar Jahre später auch die Träume meines 18jährigen Ichs verwirklichen können.

Die Worte: Carpe diesen scheiss diem!

Manche Dinge im Leben kann man eben einfach nicht planen. Natürlich können wir zumindest ein paar Weichen richtig stellen. Aber auch hier gibt es kein schwarz oder weiß. Wir können alles in unserem Umfeld optimieren, um endlich schwanger zu werden: Kein Alkohol, kein Nikotin, kein Koffein, gesunde Ernährung, Sport, ausreichend schlafen, Nahrungsergänzungsmittel wie Folsäure, Sex zum richtigen Zeitpunkt, Stress vermeiden, Arztbesuche um andere Ursachen der Kinderlosigkeit auszuschließen, Akupunktur und so weiter und so fort. „Pimp my eggs at its best.“ Aber ihr lieben KiWu Mädels: Bitte vergesst dabei nicht, zu leben. Vergesst nicht, dass ihr viel mehr seid als Euer Kinderwunsch. Ich bin bereits unter allen Umständen schwanger geworden: während einer Stressphase, mit oder ohne einem Glas Wein, getimter und ungetimter Sex, im Urlaub, im Bett, mit Kopfstand oder ohne, mit oder ohne Folsäure – die perfekte Planung gibt es leider nicht. Nutzt auch die scheiss diems und genießt Euer Leben auch wenn es nicht (gleich) klappt. Wir sind so viel mehr als nur werdende Eltern. 

7 Gedanken zu “Carpe diesen scheiß diem

  1. Pingback: Die Fruchtbar | Carpe diesen scheiss diem!

  2. Ich liebe Jiulienas Blog und freue mich auch jedes Mal, über einen neuen Beitrag.
    Als Leidensgenossin kann ich klar sagen: die bringt es auf den Punkt. Und ja, auch die scheiße Diems sollte man carpen, wenn auch nur zum Weinen oder Meckern oder Flüchen. Alles darf, nix muss.

    Von Herzen alles Gute ♥️🍀🤗

    Gefällt 1 Person

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