Corona und Kinderwunsch

Nur zwei Tage vor dem Lockdown waren wir zur Nachbesprechung in der Kinderwunsch-Klinik. Diesmal inklusive Registrierung auf einem Extra-Zettel, auf dem wir angeben mussten, ob wir Symptome hatten, Kontakt mit Covid-19 oder in einem Risikogebiet im Ausland waren. „Bitte legen Sie dieses Dokument unseren Mitarbeiterinnen vor.“ Am Ende nahmen wir den Zettel, auf dem auch unsere Namen und Geburtsdaten standen, wieder mit nach Hause. Wofür hatten wir das Dokument ausgefüllt? Seltsame Zeiten waren das.

Der Termin war die Nachbesprechung des gescheiterten Versuchs. Die Ärztin zeigte uns nochmals die Tabellen mit der Anzahl und Qualität der sieben eingefrorenen Blastozysten. Die für uns wichtigste Frage: Warum hat sich die Blastozyste trotz der hohen Qualität nicht eingenistet? Die kann leider niemand so genau beantworten.

Nach der Stimulation muss frau ohnehin einen Zyklus pausieren – und ich fühlte mich auch wirklich gar nicht danach, sofort einen weiteren Versuch zu starten. Ich war froh, meinen Körper wieder normal zu spüren, Sport machen zu können, und mich nicht permanent fragen zu müssen, woher irgendein Zwicken oder Zwacken meines Körpers kam. Wir wollten deshalb länger als nur den einen vorgeschriebenen Zyklus abwarten. Und ich wollte vor einem nächsten Versuch unbedingt noch auf Urlaub fahren.

Zu diesem Zeitpunkt wusste niemand, welche Auswirkungen Corona auf Schwangerschaften hat. Auch in China gab es zu wenige Fälle, um exakte Schlüsse draus zu ziehen. Mein Mann fragte gleich völlig geistesgegenwärtig: „Es könnte ja auch Auswirkungen wie das Zika-Virus haben. Weiß man das schon?“ Die Ärztin meinte, derzeit sähe es nicht danach aus. Aber natürlich wisse niemand etwas Genaues.

Das Fazit: Pause von den Kinderwunschbehandlungen, auf unbestimmte Zeit.

Etwa eine Woche später läutete mein Telefon, die Nummer der Klinik am Display. Mir schoss es gleich durch den Kopf: „Oh nein, rufen die mich jetzt an, weil die Ärztin bei der wir waren schon Corona hat?“ Mein Herz schlug höher. Nein, am anderen Ende der Leitung war eine Sprechstundenhilfe. Alle laufenden Versuche und Behandlungen wurden abgebrochen, das Institut musste aufgrund der Pandemie schließen.


Nachdem man mittlerweile mehr weiß, hier ein paar aktuelle Links zum Thema Corona und Schwangerschaft:

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